13. September. Heute habe ich nicht ernsthaft Japanisch gelernt. Meine ganze Kraft floss in den Aufbau der Dark Wings-Website.
Obwohl mir KI-Agenten halfen, wusste ich manchmal nicht mehr, ob die KI für mich arbeitete oder ich für die KI. Gerade beim Aufbau einer Website – einem Gebiet, von dem ich überhaupt nichts verstand – verschlang es Unmengen an Tokens, alles automatisiert den Agenten zu überlassen. Nach wenigen Aufgaben war das Limit bereits erreicht; dann musste ich warten, bis mein Kontingent zurückgesetzt wurde, oder neues Guthaben kaufen und weiter echtes Geld verbrennen.
Während ich darauf wartete, dass die Website gebaut und eingerichtet wurde, fand ich Zeit, die in Japan übliche Spannung und die Steckertypen nachzuschlagen. Außerdem sprach ich mit der Vermittlungsagentur grob über die Wahl einer Sprachschule.
Die Agentur meinte, Sprachschulen, die in Taiwan um Lernende werben, seien in der Regel wohl nicht völlig daneben. Außerdem seien Lehrkräfte und Mitschüler in jeder Klasse anders; manchmal brauche man schlicht Glück.
Aus meiner eigenen Erfahrung an einer Sprachschule wusste ich: Man konnte durchaus an eine Lehrkraft geraten, die nicht besonders gut unterrichtete. Viel häufiger jedoch war die Lernatmosphäre in der Klasse das größte Hindernis – oder die größte Hilfe – auf dem Weg des Lernens.
Bei der Suche nach einer Sprachschule wagte ich diesmal sogar ein recht kühnes Experiment. Ich ließ drei verschiedene KI-Programme nach Schulen in den von mir vorgegebenen Regionen suchen, Listen erstellen sowie Gebühren und Unterkunftsmöglichkeiten zusammentragen. Anschließend sollten die drei Systeme wechselseitig prüfen, welche Schulen die anderen übersehen hatten, und kontrollieren, ob Kosten und Angaben stimmten.
Sogar nach Bewertungen ließ ich die KI suchen und sie für mich ordnen.
Im Großen und Ganzen konnte KI solche Listen tatsächlich sehr schnell zusammentragen und strukturieren. Doch ich hatte einen entscheidenden Haken übersehen:
Eine Schule, deren Bewertungen, Unterrichtsqualität und Angebot überzeugend wirkten, musste einen Monat vor Kursbeginn noch lange keinen Platz frei haben.
Genau wegen dieses Denkfehlers entschied ich mich innerhalb kürzester Zeit für eine Vermittlungsagentur. Vielleicht konnte sie schneller herausfinden, welche Schulen noch Plätze hatten, als ich, wenn ich die KI auf einmal ein ganzes Bündel von Anfragen verschicken ließ.
Ehrlich gesagt: Wer sich erst einen Monat vor Kursbeginn spontan für einen Schulbesuch entscheidet, wird unter den Schulen mit freien Plätzen wohl kaum eine berühmte, heiß begehrte Adresse finden. Also überlasse ich alles dem Schicksal, alles dem Himmel.
Als ich jung war, mochte ich japanische Romane nicht besonders. Ich hatte zwar Haruki Murakami gelesen, doch in seine Sprache fand ich nie wirklich hinein.
Auch Übersetzungen aus dem Japanischen unterschieden sich in Stil und Technik deutlich von Werken westlicher oder chinesischsprachiger Autoren. Die Art, wie japanische Schriftsteller Wörter zusammenfügten und Bedeutung entstehen ließen, hatte etwas ausgesprochen Eigenartiges. Manchmal war der Text so schlicht wie ein Glas stilles Wasser – als setzte er die während der Bewegung des 4. Mai propagierte Baihua-Bewegung auf höchstem Niveau in die Praxis um.
Heute jedoch bot Readmoo vergriffene E-Books in einer Sonderaktion an, und ich kaufte eine Sammlung von Kurzgeschichten Mori Ōgais.
Vielleicht lese ich japanische Autoren jetzt, in der Lebensmitte, mit anderen Augen.

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