旅の余白

Auf einer regennassen Holzveranda blickt ein Reisender dem Morgenlicht über fernen Bergen entgegen; drei Kelche liegen umgestürzt, zwei stehen noch aufrecht, dargestellt als alte Tarotkarte

Nachjustieren: 14. September

Von der Rechnung der Sprachschule über den KI-gestützten Websitebau bis zur Bildungskrise versuche ich an einem Tag voller Enttäuschungen zu erkennen, in welcher kleinen Veränderung noch Hoffnung liegen könnte.

Heute früh erhielt ich von der Vermittlungsagentur die Rechnung für die Sprachschule. Mit einem Mal war es ganz greifbar: Sobald ich sie bezahle, rückt Japan wieder einen Schritt näher.

Insgesamt war heute ein Tag, an dem sich viele Enttäuschungen ansammelten. Hoffnung liegt nicht immer nur in der Ferne. Doch wenn ich jeden Tag eine kleine Veränderung wage – werde ich sie dann eines Tages sehen?

Auch der Aufbau der Dark Wings Universe-Website ist für mich ein neuer Versuch. OpenAI und Claude übernehmen jeweils andere Aufgaben, hinterlassen einander Notizen über den Arbeitsstand ihrer Agents und verständigen sich auf diese Weise über den gesamten Ablauf des Deployments.

Dabei wurde mir klar: Wer selbst eine Website baut und rasch ein Ergebnis mit den grundlegenden Funktionen verwirklichen will, die er sich vorstellt, muss trotzdem einiges investieren. Mit jedem zusätzlichen Wunsch und jeder weiteren Funktion kann der Preis der Entwicklung weit höher steigen, als viele vermuten. Die Alternative besteht darin, geduldig auf die Rücksetzung des Token-Kontingents zu warten und den gesamten Zeitplan immer weiter auszudehnen.

Denn wenn man jede Kleinigkeit einem Agent überlässt, verglühen die Tokens erschreckend schnell.

Andererseits entfallen beim eigenständigen Entwickeln viele der früher nötigen Abstimmungsschleifen mit Webentwicklern und Designern. Auch die Fähigkeiten der KI haben mittlerweile ungefähr das Niveau eines „durchschnittlichen“ Designers erreicht.

Das heißt: Wir sind in einer Zeit angekommen, in der der Raum, von dem das menschliche Mittelfeld lebt, massiv beschnitten wird, wenn man nicht zum Kreis der „Herausragenden“ gehört.

Unweigerlich frage ich mich deshalb: In welche Richtung sollte Bildung künftig gehen?

Heute sah ich zufällig auch ein Interview über die Krise im deutschen Bildungsalltag. Einer der deutschen Gäste führte den starken Rückgang der deutschen PISA-Ergebnisse auf die Flüchtlingskrise des vergangenen Jahrzehnts, die Folgen der Pandemie, Eltern, die ihre Kinder gewähren ließen und nicht zum Lernen anhielten, sowie auf Schulen zurück, die es den Lernenden zu bequem gemacht hätten, sodass sie mangels Herausforderung zurückfielen.

Ein weiterer Gast verwies auf China. Chinesische Schülerinnen und Schüler lägen bei den Leistungsindikatoren weit vorn, betonte er, weil Eltern sie zum Lernen anhielten und der Staat der Bildung einen hohen Stellenwert einräume – neben anderen Gründen.

Tatsächlich sind die im Interview beschriebenen Bildungsszenen in den Systemen und Denkweisen Ostasiens allgegenwärtig. Das traditionelle konfuzianische Denken hat der „Bildung“ zweifellos einen außerordentlich hohen Rang verliehen.

Doch genau hier wird es interessant.

Ich erinnere mich, dass deutsche Fernsehsender noch vor mindestens zehn Jahren mit Vorliebe Sendungen über asiatische Schülerinnen und Schüler produzierten, die unter gewaltigem Leistungsdruck standen. Immer wieder hieß es darin, in asiatischen Ländern sei der Anteil junger Menschen höher, die sich aufgrund schulischen Drucks das Leben nähmen.

Alles hat seinen Preis.

Natürlich kann ich die Sorge deutscher Talkshowgäste und Kommentatoren um die Zukunft ihres Landes gut verstehen. Wer jedoch nur auf die Oberfläche blickt und hastig nach dem Vorbild anderer greift, wird damit in Zukunft gewiss noch größere Fehler hervorrufen.

Damit zurück zu der Tatsache, dass ich im kommenden Monat eine Sprachschule besuchen werde.

Im Internet gehen die Meinungen weit auseinander. Hilft eine Sprachschule überhaupt? Ist es besser, schon als Anfänger nach Japan zu gehen? Oder sollte man sich zunächst bis zur Mittel- oder Oberstufe vorkämpfen und erst danach zur Vertiefung nach Japan fahren, weil das effizienter und günstiger wäre?

Menschen aus Taiwan besitzen beim Japanischlernen einen deutlichen Vorteil: die chinesischen Schriftzeichen. Die japanische Grammatik jedoch könnte von der chinesischen kaum weiter entfernt sein. Zugleich sind die Japanisch-Ressourcen, die man in Taiwan findet, aus geografischen und historischen Gründen offensichtlich vielfältiger als jene, die in Deutschland erreichbar sind.

Das Internet kann diesen Unterschied zu einem großen Teil ausgleichen. Doch das alltägliche Erleben bleibt, finde ich, himmelweit verschieden.

Wenn ich an meine Zeit zurückdenke, in der ich in Taiwan Deutsch lernte, glaube ich im Gegenteil: Es ist besser, genug Geld zu sparen und die Sprache direkt in Deutschland zu lernen. Was ich dort in einem Jahr lernte, war reicher als das, was mir ein Jahr Unterricht in Taiwan hätte geben können. In Taiwan Deutsch zu lernen hieß, Geld durch Zeit zu ersetzen; in Deutschland Deutsch zu lernen hieß, Zeit durch Geld zu ersetzen.

Nach meiner früheren Erfahrung reichen drei Monate nicht aus, um einen großen Fortschritt zu spüren. Man stolpert noch immer über die eigenen Worte und bringt kaum mehr als ein paar Sätze wirklich hervor. Wer ganz von vorn beginnt, braucht mindestens ein halbes Jahr, um überhaupt ein wenig ins Sprechen zu kommen.

Das Japan meiner Vorstellung ist ausgesprochen konservativ. Deshalb vermute ich, dass sowohl der Bildungsalltag als auch der Sprachunterricht dort weiterhin recht traditionellen Mustern folgen.

Diese Vorstellung halte ich heute fest. Ihre Überprüfung überlasse ich der Zukunft.

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