Zum Leben allein im Wohnheim gehören viele kleine Dinge. Eigentlich war ich jedoch nur hungrig und wollte nebenbei etwas Essbares finden, also spazierte ich bis in die Gegend um Shinsaibashi.
An diesem Abend dröhnten zahlreiche Autos mit ausgebauten Schalldämpfern durch die Straßen. Ich fand die Männer am Steuer solcher Wagen kindisch und blöd. Erst später erfuhr ich, dass an diesem Tag die Hanshin Tigers gespielt hatten und tatsächlich Fans in den Dōtonbori gesprungen waren, als der Meistertitel feststand.
Wenn es eine Siegesfeier der Fans war, konnte ich es ihnen durchgehen lassen. Bei Hochzeiten bilden die Türken in Berlin schließlich ebenfalls ausgesprochen laute Autokorsos.
Die Einkaufspassage von Shinsaibashi hatte ich schon oft besucht, und Touristen gab es wie immer in Mengen. Eigentlich wollte ich bei Sushiro Förderbandsushi essen, doch dann war ich doch nicht wirklich hungrig. Vielleicht hätte ich nur zwei oder drei Teller genommen und wäre wieder gegangen, und aus irgendeinem Grund wäre mir das ein wenig peinlich gewesen.
Ich dachte, ich könnte einfach einen Natto-Reisball kaufen, schnell etwas essen und anschließend direkt meine Besorgungen machen. Im Konbini gab es jedoch keine Natto-Reisbällchen mehr ...
Da sah ich Marugame Seimen. Die Nudeln dort mag ich eigentlich sehr gern, außerdem ist der Bestellvorgang so einfach, dass man sich selbst ohne Japanischkenntnisse keine Sorgen machen muss. Gerade als ich hineingehen wollte, bemerkte ich neben Marugame noch einen Laden namens Tsurumaru Udon Honpo, der beinahe dasselbe anbot. Meine Füße bogen ab und trugen mich in dieses Geschäft, in dem fast überhaupt keine Gäste saßen.
Es war so leer, dass ich mich fragte, ob der Laden vielleicht noch Pause hatte.
Ich bestellte Rindfleisch-Udon. Ehrlich gesagt schmeckte es kaum anders als bei Marugame, nur das frittierte Hähnchen war ein wenig zu trocken.
Nachdem ich satt war, schlenderte ich noch etwas herum und stellte fest, dass einige Geschäfte entweder einen Umzug oder ihre Schließung vorbereiteten. Auch ein Laden, in dem ich schon mehrmals Kimono-Zubehör oder Taschen gekauft hatte, veranstaltete wegen seines Umzugs einen großen Ausverkauf.
Ich gehöre zu den typischen Menschen, die gern Taschen kaufen. Sobald ich eine schöne oder interessante Tasche sehe, will ich zugreifen, obwohl ich im Alltag doch immer nur dieselben wenigen trage. In diesem japanischen Bekleidungsgeschäft entdeckte ich jedoch eine Tasche mit Motiven aus dem japanischen Nationalschatz Chōjū-giga und konnte mich nicht davon abhalten, sie zu kaufen.
Vielleicht weil hauptsächlich Touristen hier vorbeikommen, ist die Qualität der Waren in diesem Laden nicht besonders gleichmäßig; zudem gibt es viele Produkte aus China.
Auf dem Etikett dieser Tasche stand allerdings „Made in Japan“. Alle drei ausgestellten Exemplare nahm ich einzeln in die Hand und verglich sie genau. Bei Größe, Breite und Höhe gab es jeweils kleine Abweichungen. Ich fragte mich wirklich, ob das tatsächlich ein in Japan gefertigtes Produkt sein konnte. Bei diesem Preis sollte mir bitte niemand erzählen, die Tasche sei handgefertigt. In Euro umgerechnet kostete sie jedoch wirklich nicht viel, also suchte ich das Exemplar aus, das für mich am besten aussah, und kaufte es.
Nach dem Verlassen des Kimonoladens stieß ich nicht weit entfernt auf ein weiteres Taschengeschäft mit Räumungsverkauf. Meine Füße ließen sich wieder nicht beherrschen und bogen hinein. Dort sah ich erneut eine praktische Tasche zu einem radikal gesenkten Preis und wollte in diesem Moment wirklich noch eine kaufen.
Trotzdem hielt ich mich zurück, hielt mich zurück ... Ende des Monats kommt mein Mann mich besuchen. Dann schaue ich noch einmal, ob die Tasche bereits verkauft ist. Falls sie noch da ist, lasse ich meinen Mann sie steuerfrei kaufen und nach Deutschland mitnehmen ...
Bei günstigen Alltagswaren von Daiso konnte wohl nicht allzu viel schiefgehen, deshalb bog ich bei Daiso ein.
Manchmal gibt es bei Daiso erstaunlich viele pfiffige Kleinigkeiten, die zum Leben in Japan passen. Prompt entdeckte ich diese besonders kurze Rolle Frischhaltefolie. Für jemanden wie mich, der auf engem Raum und praktisch ohne Geschirr lebt, war sie genau richtig.
Für das Problem, dass es keine Toilettenbürste gab, fand ich ebenfalls eine Einweglösung. Zusätzlich kaufte ich einen deodorierenden Toilettenreiniger und einen Badreiniger.
Wer in einem winzigen Apartment lebt, fürchtet nichts so sehr wie eine stinkende Toilette. Sobald es dort riecht, kann das gesamte Zimmer diesem Gestank nicht mehr entkommen.
Nach dem Einkauf der grundlegenden Dinge für den Alltag machte ich mich langsam zu Fuß auf den Rückweg ins Wohnheim.
Viele Menschen, die mir unterwegs entgegenkamen, hatten westliche Gesichter. Ich dachte: Japan zieht so viele ausländische Besucher an, warum bleibt das Englischniveau hier dann seit Jahrzehnten unverändert auf einem Stand, der keine Verständigung zulässt?
Thailand etwa wird ebenfalls von Touristen überrannt. Die Thailänder sprechen Englisch zwar mit einem sehr niedlichen Akzent, doch der Gebrauch des Englischen ist weit verbreitet. Trotzdem hört man dort keine Debatten über eine Krise, in der Englisch die Landessprache unterwandere.
Auch in Konbinis begegneten mir etliche ausländisch aussehende Angestellte. Anfangs freute ich mich, denn ich wusste nicht, wie ich eine Onlinebestellung zurückschicken sollte. Mit einem ausländischen Mitarbeiter würde ich mich doch auf Englisch verständigen können.
Tadaa. Es war wieder jemand mit südasiatischem Aussehen, der kein Englisch sprach. Wie konnte jemand, der südasiatisch aussah, kein Englisch sprechen?
Im Stillen fragte ich mich, ob ich nicht viel zu anglozentrisch dachte. Niemand auf dieser Welt ist verpflichtet, Englisch zu lernen. Doch wie sollen Menschen aus unterschiedlichen Ländern miteinander kommunizieren, wenn sie nicht einmal über eine grundlegende gemeinsame Fremdsprache verfügen?
Als ich vor mehr als zwanzig Jahren erstmals in Ostdeutschland Fuß fasste, hatte ich eine ähnliche Trennung erlebt. Mit Englisch kam man keinen Schritt weiter, weil die Region zuvor politisch russlandfreundlich ausgerichtet gewesen war: Russisch war die erste Fremdsprache, Englisch die Sprache des Kapitalismus.
Viele Ostdeutsche lernten daher letztlich kein Englisch, während auch ihr Russisch mit der Zeit nur noch bruchstückhaft übrig blieb.
In einem nicht kommunistischen Land wie Frankreich wiederum sprechen die Menschen in vielen Gegenden bis heute kaum brauchbares Englisch, auch wenn sich die Lage in den vergangenen Jahren ein wenig verändert hat.
Die eine Kommunikationsbarriere entsteht aus fehlenden Möglichkeiten und fehlender Wahl, die andere bildet sich selbst dort, wo es keinerlei Einschränkungen gibt.
Vielleicht ist genau das kultureller Zentrismus: Das Eigene und das Andere werden nicht auf dieselbe Ebene gestellt.
Wer der geliebte Teil ist, dem andere nahekommen wollen, kann seine Haltung immer ein wenig höher ansetzen. Wie sehr das doch dem Zustand des Verliebtseins gleicht!

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