Ich brach zum Flughafen auf. Der erwartete Stau blieb aus.
Mit der SkyLine fuhr ich von Terminal 1 zu Terminal 3.
Vor mehr als zwanzig Jahren musste man für die SkyLine in Terminal 1 bis zur Mitte des Terminals laufen und an einer unscheinbaren Ecke nach oben gehen. Die neue Station befindet sich nun am Ende des langen Ganges, in den man vom Parkhaus und vom Bahnhof gelangt, und dann links um die Ecke.
Das neu eröffnete Terminal 3 liegt tatsächlich ein gutes Stück von Terminal 1 entfernt. Die Fahrt mit der SkyLine fühlte sich an, als hätte sie mindestens sieben oder acht Minuten gedauert.
Vielleicht liegt es daran, dass in den vergangenen Jahren so viele Reisende nach Europa gekommen sind, die kein Deutsch sprechen. Wenn ich mit meinem asiatischen Gesicht allein durch den Flughafen gehe, sprechen mich die Mitarbeitenden inzwischen grundsätzlich sofort auf Englisch an.
Früher war das nicht so. Damals war ich jung, verängstigt und konnte kein Deutsch, doch die Mitarbeitenden redeten häufig ohne jedes Zögern auf Deutsch mit mir.
Während Frankfurt immer internationaler wurde, fügte ich mich beinahe vollständig in das Leben vor Ort ein. Allein wegen meines Aussehens automatisch als „Ausländerin, die kein Deutsch spricht“ eingeordnet zu werden, ist daher ein eigentümliches Gefühl.
Es ist ein wenig, als hätte dieser Ort früher gewollt, dass ich schnellstmöglich ein Teil von ihm werde. Jetzt, da ich tatsächlich zu diesem Ort gehöre, macht mich eine Annahme aufgrund meines Aussehens erneut zu jemandem, der nicht hierhergehört.
Damit will ich niemandem einen Vorwurf machen. Ich staune lediglich darüber, wie sonderbar die menschliche Psyche funktioniert.
Terminal 3 setzt auf ein vollständig automatisiertes Check-in-System ohne besetzte Schalter. Alle Reisenden müssen am Automaten selbst ihre Bordkarte und den Gepäckanhänger ausdrucken, den Anhänger eigenhändig befestigen und ihr Gepäck anschließend selbst auf das Förderband schieben.
Die traditionellen Schalter mit Personal sind verschwunden. Beginnt nun endlich auch in Deutschland das große Zeitalter der Automatisierung?
Mein erster Gedanke war: Die Fluggesellschaften können auf diese Weise einiges an Personal einsparen!
Selbst der Gang durch die Grenzkontrolle ist inzwischen beinahe vollständig automatisiert.
Bei den Kontrollspuren gilt weiterhin die vertraute Aufteilung: EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie Personen mit Aufenthaltsstatus werden in andere Spuren geleitet als Reisende mit Pässen aus Drittstaaten.
Die Schlange für Drittstaatenpässe war dicht gedrängt und lang. Mit gesenktem Kopf ging ich „ohne den geringsten Zweifel“ geradeaus auf die Spur zu, die mit dem Kreis aus europäischen Sternen gekennzeichnet war.
Wegen dieses asiatischen Gesichts erinnerte mich jedoch eine Mitarbeiterin freundlich: „Dort vorne ist die EU-Spur.“
Die EU-Spur wurde von fast niemandem benutzt. Vor dem Automaten musste ich überhaupt nicht warten: Pass scannen, ein Foto aufnehmen lassen, schon öffnete sich das Tor. Zwar stand dahinter noch ein menschlicher Grenzbeamter, doch in der EU-Spur wirkte er fast wie Dekoration. Als ich vorbeiging, unterhielt er sich mit einem Kollegen. Kein einziger Blick traf mich, und schon war ich durch die Grenzkontrolle.
In diesem Augenblick hatte ich tatsächlich für einen kurzen Moment das Gefühl, wie eine Einheimische behandelt zu werden. In Gedanken wollte ich mir ausmalen: Ich bin doch eine fleißige, gewissenhafte Vorzeigebürgerin der EU.
Auch die Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen wurden verstärkt und technisch modernisiert. Elektronische Geräte und Flüssigkeiten müssen nun überhaupt nicht mehr aus dem Handgepäck genommen werden. Nachdem der Scanner die Gegenstände erfasst hat, leitet das System Gepäckstücke automatisch entweder zur zusätzlichen Kontrolle oder auf die Spur ohne Nachkontrolle.
Kurz bevor mein Rucksack in das Gerät fahren sollte, fiel der Scanner in meiner Reihe aus. Das Kontrollpersonal musste ihn neu starten, bevor die Untersuchung fortgesetzt werden konnte.
Die Reisenden konnten also nur warten und warten. Zum Glück war die Störung schnell behoben. Nach ungefähr fünf Minuten lief das Gerät wieder, und ich musste mit ansehen, wie mein Rucksack auf das Förderband für Gepäckstücke mit zusätzlichem Kontrollbedarf geleitet wurde.
Natürlich war mein Gepäck auch früher schon überprüft worden. Meistens baten mich die Mitarbeitenden jedoch, den Rucksack selbst zu öffnen und den Gegenstand herauszunehmen, der als möglicherweise problematisch markiert worden war.
Dieses Mal erklärte mir der Kontrolleur, ich dürfe den Rucksack nicht berühren, bis er mit der Überprüfung fertig sei. Er zog Handschuhe an und öffnete ihn selbst. Mir war das ein wenig peinlich. Das heillose Durcheinander in meiner Tasche war beinahe nicht mitanzusehen.
Zunächst vermutete ich, die Zahnpasta oder die Gesichtsreinigung im Kosmetikbeutel sei wegen der angegebenen Füllmenge markiert worden. Aus genau diesem Grund hatte ich früher bei der Sicherheitskontrolle schon zwei Flaschen Gesichtswasser wegwerfen müssen, auf denen 120 ml stand, obwohl nur noch ein kleiner Rest darin war.
Auch auf der Zahnpasta, die ich diesmal dabeihatte, standen wohl 120 ml, obwohl nur noch ein Drittel übrig war.
Am Ende waren weder die Zahnpasta noch die Gesichtsreinigung das Problem.
Der Kontrolleur holte aus den Tiefen des Rucksacks einen Stoffbeutel hervor. Als er ihn öffnete, wirkte selbst er ein wenig überrascht: Darin lag tatsächlich ein Tarotkartenset. Er erklärte mir jedoch, dass der Scanner Karten besonders gern markiere. Spielkarten oder UNO würden beinahe immer für eine Kontrolle aussortiert.
In meiner eigenen Fantasie fragte ich mich: Verpacken Drogenhändler oder Schmuggler verbotene Waren etwa besonders gern als Spielkarten?
Ich betrat die brandneue Abflughalle. Es waren nur wenige Reisende da, und der Raum war groß. Insgesamt fühlte es sich deshalb angenehm an, anders als an manchen überfüllten Flughäfen. Besonders viele Geschäfte gab es ebenfalls nicht.
Die Anlage der Halle erinnerte mich an den Flughafen Shanghai Pudong; Struktur und Aufteilung ähnelten einander. Zunächst bestellte ich einen Kaffee und ein Croissant. Dann wartete ich, bis die Durchsage verkündete, dass das Gate für unseren Flug bereit sei und die Reisenden sich dorthin begeben könnten.
Ich nahm den Rucksack auf die Schultern und schlenderte langsam zum Gate.

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