Ich zog die Reißverschlüsse der Koffer zu und ließ nur im Rucksack noch Platz für die letzten elektronischen Geräte und sonstigen Dinge. Zu meiner eigenen Überraschung regte sich in mir eine seltene, leise Nervosität. Meine Güte, ich werde tatsächlich drei Monate lang allein in einem fremden Land auf eigene Faust unterwegs sein.
Ich weiß nicht, ob ich zu viel oder zu wenig eingepackt habe. Habe ich zu wenig dabei, kann ich Fehlendes natürlich vor Ort ergänzen; zugleich beunruhigt mich leise die Frage, ob das nicht Ressourcen verschwendet. Nehme ich zu viel mit, hadere ich wiederum damit, kostbaren Platz im Gepäck vergeudet zu haben.
Ob diese ständig wechselnden Bedenken wohl schon zur Unruhe der Lebensmitte gehören?
Als ich damals zum ersten Mal allein nach Deutschland aufbrach, war ich voller Erwartung.
Ich weiß nicht, warum sich mit den Jahren und dem Eintritt ins mittlere Alter stattdessen heimlich Bangigkeit in mein Herz geschlichen hat.
Sollte sich der Fluch, dass man mit zunehmendem Alter immer ängstlicher wird, tatsächlich bewahrheiten?
Durch eine glückliche Fügung entdeckte ich eine LINE-Gruppe für Taiwanerinnen und Taiwaner in Osaka.
In Japan leben weit mehr Menschen aus Taiwan als in Deutschland. Ich schlich mich still in die Gruppe, um mir einerseits eine Rückfallebene an Unterstützung zu schaffen. Andererseits war ich neugierig: Zeigen Taiwanerinnen und Taiwaner in Japan wohl einen anderen Charakter als jene in Deutschland?
Damit das System auch nach meiner Abreise aus Deutschland weiter nutzbar bleibt, arbeitete ich heute unter Hochdruck an seinem Entwurf weiter.
Morgen liegt noch ein ganzer Tag vor mir; am Abend werde ich bereits zum Flughafen fahren und dort übernachten.
Für heute soll es damit genug sein. Ich möchte meinen Kopf leer werden lassen.

讀者留言